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Eine App, die spaltet

Das Netzwerk TikTok gilt seit seinem Start als in – zumindest unter sehr jungen Menschen. Die Stammkundschaft der Plattform bewegt sich in einem Alter zwischen 10 und 18 Jahren, also die denkbar jüngste Gruppe, die mit einem Smartphone hantieren sollte beziehungsweise muss. Älteren Personen erschließt sich kaum der Sinn der Applikation: 15-Sekunden-Videos, in denen Teenies ihre Lieblingssongs trällern oder ihre außergewöhnlichen Talente zum Besten geben, hauen die wenigsten Erwachsenen aus dem Hocker. Die Entwickler stellen lediglich die Plattform und die Ressourcen (Musikschnipsel angesagter Popsongs) zur Verfügung. Einnahmen generiert der Anbieter ByteDance ausschließlich durch Werbebotschaften, denn Download und Nutzung der App sind kostenlos.

 

Junge Nutzer, alte Nutzer – eine riskante Mischung

Je jünger und je unerfahrener das Publikum, desto laxer der Datenschutz – gemäß diesem Motto scheinen (auch) die Köpfe hinter ByteDance zu programmieren, denn vor wenigen Monaten musste das chinesische Unternehmen eine Strafe von 5,7 Millionen Dollar (umgerechnet 5,1 Millionen Euro) zahlen, nachdem illegale Datenerfassungspraktiken bekannt wurden. TikTok sammelte Daten über Minderjährige, konkret über Nutzer, die nicht älter als 13 Jahre waren. Dies gilt nach internationalem (Digital-)Recht als illegal. Weitere Negativschlagzeilen machte TikTok mit einer Welle bekanntgewordener Cybergrooming-Vorfälle: Pädophile traten über die Chatfunktion mit jüngeren Nutzern in Kontakt, gaben sich als Vertrauensperson aus (Lehrer, Polizisten) und forderten die Angeschriebenen zu sexuellen Handlungen auf. Mittlerweile ist ByteDance gegen die älteren Mitglieder vorgegangen und will zukünftigen Vorfällen dieser Art vorgebeugt haben.

 

Sammeln, Löschen, Zensieren

Das zentrale Problem hinter TikTok bewegt sich auf politischer Ebene: Das Unternehmen sammelt massenweise Daten und stellt sie Berichten zufolge der chinesischen Regierung zur Verfügung. So warnte zum Beispiel das US-Militär vor Kontakten von ByteDance in den Zhongnanhai. Auch die Bild berichtete, hinter der App stecke der chinesische Unternehmer Zhang Yiming, der eng mit Chinas Regierung zusammen arbeite, die seit jeher für ihren autokratischen Führungsstil in der Kritik steht. Nicht zuletzt die vor Kurzem aufgedeckten Überwachungspraktiken per Spionage-App sowie die „Umerziehungscamps“, in denen Uiguren regelrechte Gehirnwäschen unterzogen werden, sorgten für – bisweilen konsequenzenlose – Proteste.

Fest steht, dass ByteDance in großen Mengen Daten sammelt und diese selten bis nie löscht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stellt das Unternehmen die Daten auch staatlichen Organisationen zur Verfügung. Von diesem Vorwurf sind jedoch andere Global Player ebenfalls nicht freizusprechen. Der Fall TikTok wiegt jedoch schwerer, denn der laxen Datensicherheit steht ein striktes Zensierprogramm gegenüber. Politische Statements etwa werden rigoros unterdrückt. Auch die Reichweite von Inhalten, die Menschen mit Behinderungen absetzen, wird durch das interne Contentmanagement-System, ein sechsstufiges Moderationsverfahren, beschnitten.

Paradox: Viele Kritiker, beispielsweise das US-Militär und sogar die ARD (Tagesschau), pflegen TikTok-Accounts und führen auf der vermeintlich bedrohlichen App aus Fernost moderne Marketingstrategien. Erneut zeigt sich, dass das Thema Datenschutz im Geschäft um Follower-Zahlen und Abonnenten-Reichweiten nur allzu schnell in eine Nebensächlichkeit zerfällt.

 

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Autor: Jan Lauer
Bildquelle: Photo by Harry Cunningham on Unsplash