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Gesichtserkennungs-App Clearview

 

Derweil schlägt die Gesichtserkennungs-App Clearview in Übersee hohe Wellen: Ein bisweilen unbekannter Algorithmus ermöglicht es US-Behörden, das Schreckgespenst des gläsernen Menschen zum Leben zu erwecken.

Von der Gegenwart in die Zukunft und zurück

Es klingt nach der Handlung eines neuen Science-Fiction-Blockbusters mit Will Smith oder einem Kapitel aus George Orwells Klassiker 1984. Doch worüber die New York Times Ende Januar berichtete, ist bittere Realität: Mit der App Clearview ist es laut einer Reporterin des Investigativblatts unzähligen amerikanischen Behörden möglich, das Gesicht eines jeden US-Bürgers zu scannen und das erstellte Abbild in einer riesigen Datenbank mit mehreren Milliarden Einträgen abzugleichen. Das, was den Behörden über das Zielobjekt ausgeliefert werde, übertreffe bei Weitem das Ausmaß des geläufigen digitalen Fußabdrucks, den der Mensch der Moderne zwangsläufig hinterlässt.

Eine Datenbank der Superlative

Genutzt wird Clearview offenbar von rund 300 Behörden, allesamt ansässig in den USA und zuständig für Menschen, die in den USA leben. Der Datenpool, auf den die App zugreift, entspringt aus einem Sammelsurium an sozialen Netzwerken, kleineren Plattformen und öffentlichen Portalen: Mehr als 3 Milliarden Bilder sowie Videos stehen den Behörden zur Verfügung. Der Hauptteil dieser Inhalte stammt aus den Datenbanken namhafter Größen wie Youtube und Facebook. Brisant: Neben Fotos spucken die Onlineportale auch Adressen, Telefonnummern und, und, und über die Gescannten aus.

Der Gedanke hinter Clearview

Wofür benötigt eine Behörde eine Gesichtserkennung, die jeden x-beliebigen Bürger durchleuchten kann? Die Reporterin lieferte in ihrem Bericht anhand eines realen Vorfalls eine plausible Antwort: In Indiana gelang es vor Kurzem der örtlichen Polizei durch den Einsatz von Clearview einen Mord aufzuklären – in nur 20 Minuten. Ein Zeuge hatte den Mord gefilmt und das Video der Polizei zur Verfügung gestellt. In der Datenbank der Sicherheitsbehörden tauchte der Täter nicht auf. Clearview hingegen brachte mit einem Treffer in einem Social-Media-Beitrag den entscheidenden Hinweis, der zur Festnahme des Täters führte.

Warnung vor Manipulation

Angriffe auf die Privatsphäre von Otto Normalbürger gehören ebenso wie Angriffe auf die Infrastruktur diverser Unternehmen zum digitalen Alltag. Neu an der Gesichtserkennungs-App Clearview ist die universale Nutzbarkeit beziehungsweise die Gefahr der Zweckentfremdung: Sollte die Software in die Hände Dritter gelangen, ziehen unbescholtene Bürger nicht nur vor Behörden blank, sondern theoretisch vor jedem Menschen weltweit, sobald dessen Daten in den Weiten des World Wide Web landen. Noch bedrohlicher wirkt die App in Anbetracht der Warnung führender Sicherheitsexperten, der Algorithmus hinter Clearview könne mühelos auf dem Speicher einer Datenbrille wie zum Beispiel der Google Glass geladen werden. So ausgestattet könnten sich Behörden ebenso wie Kriminelle gänzlich unbemerkt ans Scannen machen.

Eine Frage des Rechts

Die gute Nachricht: In Europa würde die App gegen geltende Datenschutzrichtlinien verstoßen. Folglich müssten deutsche Bürger vor dem Gesichtsabgleich geschützt sein. Doch der hiesige NSA-Skandal mit seinem prominentesten Opfer alias Angela Merkel sollte gezeigt haben, dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten keine Möglichkeiten ungenutzt lässt. Offiziellen Angaben zufolge schreckt zumindest die deutsche Strafverfolgung vor dem Einsatz von Clearview zurück: Hierzulande wird ein identisches Verfahren genutzt, doch die von Polizei & Co. genutzte biometrische Gesichtserkennung greift nicht auf Daten öffentlicher beziehungsweise unternehmerischer Quellen zurück. Lediglich Aufnahmen (Passfotos und Lichtbilder), die im bundesweiten Informationssystem der Polizei (INPOL) gespeichert sind, werden zurate gezogen. Das Bundeskriminalamt (BKA) beispielsweise nutzt diese Technik. Aufgrund der Effizienz der App und der wachsenden Bedeutung sozialer Medien sollten jedoch keine voreiligen Schlüsse über den zukünftigen Einsatz beziehungsweise Nicht-Einsatz von Clearview gezogen werden. Ob und wie sich die Verbreitung der App verhindern lässt, steht demnach in den Sternen. Die Reporterin der New York Times zumindest ist sich sicher, dass uns in Kürze das „Ende der Privatsphäre, wie wir sie kennen“ bevorstünde, sofern keine weiteren Proteste folgten.

Datenschutz leicht gemacht

Das Beispiel aus den USA offenbart, wie sensibel die Daten eines jeden Einzelnen, ganz gleich, ob Fotos, Bankverbindungen oder Online-Shop-Bestellungen, zweckentfremdet werden können. Denn neben der Ausspähung durch staatliche Behörden droht auch der Missbrauch durch Privatpersonen beziehungsweise durch kriminelle Banden. Wie Sie sich im privaten und geschäftlichen Raum vor Datenklau, Doxing & Co. schützen können, erörtern wir mit Ihnen gerne in einem ausführlichen Schulungslehrgang. Für kleinere, mittelständische und große Unternehmen haben wir überdies ein Awareness-Konzept erschlossen, mit dem Sie Ihre digitalen sowie analogen Sicherheitsvorkehrungen auf Herz und Nieren prüfen.

 

 

 

 

Autor: Jan Lauer
Photo by sl wong from Pexels

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